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MOBINET wirkt weiter – auch mehr als ein Jahr nach Ende der Projektförderung. Zum Jahresende 2004 wurden die Ergebnisse des Münchner Forschungsprojekts auf einer Symposiumsreihe in Stuttgart, Düsseldorf und Hannover präsentiert. Mehr als 200 Praktiker aus Forschung, Verwaltung und Wirtschaft kamen und nahmen MOBINET zum Anlass, die neuesten Entwicklungen im Verkehrsmanagement zu diskutieren. Das Fazit: Verkehrsmanagement ist auf dem besten Weg erwachsen zu werden – sofern einige Herausforderungen gemeistert werden.
Wir haben die Wahl, betonten die Experten in ihren Diskussionsrunden: Hält man den Verkehr durch Zwangsmaßnahmen im Zaum, zum Beispiel mit einer City-Maut, oder aber durch zuverlässige Informationen, mit denen Verkehrsteilnehmer die beste Route durchs Verkehrsgeschehen finden? Für die Teilnehmer der Foren, die auf Einladung von BMW gekommen waren, ist dies keine Frage: Deutschland sei bei Forschung und Entwicklung von effizienten Verkehrsmanagement-Maßnahmen führend, so Professor Markus Friedrich von der Universität Stuttgart. Diesen Vorsprung dürfe man nicht verspielen.
Tatsächlich hat sich in den vergangenen 20 Jahren viel getan: Fünf große Forschungsprogramme wurden durchgeführt, zahlreiche Ergebnisse stehen zur Verfügung, viele technische Entwicklungen wurden eingeführt und lassen sich bereits über die Testregionen hinaus implementieren. Rund 20 Ballungsräume in Deutschland betreiben modernes Verkehrsmanagement. Was bleibt noch zu tun?
Präzise, maßgeschneiderte Informationen

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Ein wichtiger Schritt ist: Verkehrsdienste müssen noch besser auf die Bedürfnisse des einzelnen Verkehrsteilnehmers zugeschnitten werden und ihnen unmittelbar spürbare Vorteile bringen, etwa für den Güterverkehr oder für Pendler. So arbeitet der Forschungsverbund INVENT – auch mit MOBINET Ergebnissen - unter anderem am „Navigationssystem der dritten Generation“, das in der Lage ist, Daten mit der Verkehrszentrale auszutauschen. Damit ist dynamisches Routing möglich, das die aktuelle Verkehrslage und gleichzeitig auch strategische Lenkungsmaßnahmen der Zentrale mitberücksichtigt. Kurz: Es soll der Weg aus dem Stau gezeigt werden, ohne dass auf den Ausweichrouten ein neuer entsteht. Ein erfolgreiches Beispiel für präzise kollektive Wegweisung sind die MOBINET-Netzinfo-Tafeln auf der A94, die den Pendlern aus dem Osten das aktuelle Verkehrsaufkommen auf den Einfallstraßen anzeigen.
Doch besonders private Unternehmen haben den größtmöglichen Nutzwert für die Verkehrsteilnehmer im Sinn. Die Nutzer müssen so stark von der Leistung überzeugt sein, dass sie bereit sind, die Dienste als geldwerten Service zu akzeptieren. Denn schließlich müssen sich die Investitionen für die Unternehmen auch lohnen.
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Jeder braucht zuverlässige Daten
Qualitätssicherung und Leistungsnachweise sind für die Vermarktung entscheidend. Doch Kenngrößen, die den Effekt von Verkehrsmanagement umfassend beschreiben können, sind noch nicht in ausreichendem Maß entwickelt worden, betonte Professor Bernhard Friedrich von der Universität Hannover. Der Nutzen des Verkehrsmanagements müsse allgemein sichtbar gemacht, die Transparenz erhöht werden. Praktisch jeder, der mit dem Verkehr zu tun hat, braucht eine Entscheidungsgrundlage: Der Verkehrsteilnehmer soll sehen, dass er den Maßnahmen vertrauen kann. Unternehmen brauchen Leistungsnachweise, um ihre Systeme zu vermarkten. Politiker und Behörden schließlich benötigen Daten für verkehrsplanerische Entscheidungen. „Die Wirkung von Maßnahmen muss im Voraus abschätzbar sein“, erklärt Professor Fritz Busch von der Technischen Universität in München den aktuellen Bedarf. Der Münchner Kreisverwaltungsreferent Dr. Wilfried Blume-Beyerle bestätigt dies auf der Veranstaltung in Hannover: Beinahe hätte es kein Nachfolgeprojekt für MOBINET gegeben, weil der Erklärungsbedarf im Stadtrat sehr hoch gewesen sei. Dem schließlich erfolgten „Ja“ zu arrive ging entsprechend viel Überzeugungsarbeit voraus.
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Geteilte Kosten, geteilter Nutzen
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Nicht allein Unternehmen, auch die Betreiber von Verkehrsmanagementzentralen (VMZ) beschäftigt die Frage, wer eigentlich den Betrieb bezahlen soll. In jüngster Zeit wurden einige interessante Modelle gefunden, die meist auf eine Formel gebracht werden können: Public-Private-Partnership. Im Ruhrgebiet, dem größten Ballungsraum Europas, wird derzeit ein gemeinsames Verkehrsmanagement aufgebaut. Auf Basis eines Modells, in dem Kommunen, Behörden, Verkehrs- und Privatunternehmen sich Kosten und Nutzen teilen. Die öffentliche Hand behält ihre Pflichten und Besitzstände, dafür liefert ein privates Konsortium die Systemkomponenten für die VMZ, übernimmt mehrere Jahre den Betrieb und darf dafür die Daten und neu entwickelte Systeme vermarkten. Bereits 2007, so die Planungen, soll das ruhrgebietsweite Verkehrsmanagement eingeführt werden.
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Die öffentliche Hand als Dienstleister

In Hannover, wo die VMZ Niedersachsen im Vorfeld der Expo 2000 aufgebaut wurde, arbeitet die Betriebsgesellschaft move auch als Dienstleister für das Parkleitsystem der Messegesellschaft. Mit dem Effekt, dass aus den Einnahmen Mitarbeiter in der Zentrale finanziert werden können. In Bremen denkt man sogar darüber nach, die Anzeigetafeln des städtischen Parkleitsystems als Werbeträger zu nutzen. Aus Hannover kommt der Wunsch auch die Einnahmen aus der neu eingeführten Autobahn-Lkw-Maut zur Refinanzierung bzw. zum Ausbau des Verkehrsmanagements durch die öffentliche Hand zu nutzen. |
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Die Kooperation ist entscheidend

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Die vielleicht wichtigste Innovation des Verkehrsmanagements der vergangenen Jahre sind die veränderten Einstellungen in den Köpfen der Verantwortlichen: Die Kooperation zwischen Industrie und öffentlicher Hand, zwischen den unterschiedlichen Verkehrsträgern, über geografische und bürokratische Grenzen hinweg, hat sich deutlich verbessert. Die Münchner Inzell-Initiative, die seit zehn Jahren gemeinsam mit allen politischen Fraktionen und Institutionen die Weichen für die Verkehrsplanung der nächsten Jahre stellt, wird inzwischen bundesweit als Vorzeigemodell gesehen. Auch das ambitionierte VMZ-Projekt im Ruhrgebiet wäre nicht zustande gekommen, hätte der Innovationsbeirat, in dem sich alle Oberbürgermeister und Landräte des „Potts“ zusammenfinden, der Sache eine sehr hohe Priorität zugesprochen.
Christoph Huß, Leiter Wissenschafts- und Verkehrspolitik bei der BMW Group, möchte solche Kooperationen auch auf überregionalem Parkett sehen: Wer die Verkehrssituation insgesamt maßgeblich verbessern will, müsse auch auf den großen Bühnen auftreten. Verkehrsmanagement bedeute nicht nur eine Entspannung der Verkehrssituation in den Ballungsräumen, sondern auch Innovation für Deutschland. |
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