Stühle müssen ergonomisch sein, soviel ist klar. Aber was sind ergonomische Verkehrstafeln? Stellen Sie sich vor: Sie fahren mit 120 auf der Autobahn. Ihnen bleiben nur drei bis fünf Sekunden, um das auf einer Tafel eingezeichnete Verkehrsnetz der Autobahnen und seine Staus rund um München zu verstehen. Sie sollen dafür keine Voll-bremsung hinlegen und sich gleichzeitig auf den Straßenverkehr konzentrieren. Wenn dies gelingt, dann ist ein Schild ergonomisch. Vor dieser Herausforderung standen die MOBINET-Forscher von NetzInfo und RingInfo zu Beginn ihrer Arbeit. Auf Standards konnte man nicht zurückgreifen, da es sich um eine völlig neue Art von Verkehrsanzeigern handelt.


     
Grundlagenforschung der „Verkehrsgruppe Zimmer“
Die Grundlagenarbeit leistete im Auftrag von MOBINET die renommierte „Verkehrsgruppe“ um den Psychologen Professor Alf C. Zimmer von der Universität Regensburg. Testpersonen unterschiedlicher Autofahrertypen – jung und alt, weiblich und männlich, Viel- und Wenigfahrer, vom Auszubildenden bis zum Fahrlehrer – wurden Wahrnehmungstests ausgesetzt und in einen Fahrsimulator geschickt: ein normale Limousine ohne Motor, aber mit Pedalen und einer Videoprojektion in der Frontscheibe, auf der die unterschiedliche Typen von Tafeln an den Probanden vorbeizogen. Auf diese Weise konnte zum Beispiel das Bremsverhalten studiert werden. Um festzustellen, ob die Infos einer Tafel verstanden wurden, wurden die Versuchspersonen befragt. Um den Ablenkungsgrad durch die Tafeln zu messen, mussten die Probanden während des Tests Konzentrationsübungen machen.


Abstrahierte Darstellung
Basierend auf diesen Testergebnissen sind die MOBINET Info-Tafeln NetzInfo und RingInfo gestaltet worden. Die Schilder zeigen ein stark abstrahiertes Straßennetz, das auch mit geringen Ortskenntnissen in wenigen Sekunden erfasst werden kann. Für RingInfo bedeutet dies: Statt des realen Straßenverlaufs ist ein einfacher Ring mit abstrahierten Ausfahrten zu sehen. Das reicht Autofahrern völlig für die Orientierung. Außerdem richten sich alle Darstellungen immer nach der Fahrtrichtung aus. Eingenordete Anzeigen, wie bei Landkarten üblich, wurden in den Tests sehr viel schlechter verstanden.

Einfache und verständliche Farbsymbolik
Zusätzlich haben sich die MOBINET-Entwickler von der ursprünglichen Idee der Ampelfarbensymbolik verabschiedet. Statt grün für „freie Fahrt“, gelb für „zähflüssig“ und „rot“ für Stau gibt es bei RingInfo nur rotgestrichelte Zonen, die zähflüssigen Verkehr und rote Zonen, die Staustellen anzeigen. Bei NetzInfo brauchen die Verkehrsteilnehmer sogar nur zwischen schwarzen (freie Fahrt) und roten Anzeigen (Stau) zu unterscheiden. Auch das reichte den Probanden aus, um im Labortest völlig ohne Nebenwirkungen die Staus von München zu verstehen.
 
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