Die Leitstelle für den Stadtbereich München, die in erster Linie die Ampelanlagen steuert und mit Kameras den Verkehrszustand überwacht, arbeitet ab Dezember diesen Jahres mit völlig neu entwickelten Programmen und Anwendungen. Was auf Basis langjähriger Arbeit aus dem MOBINET-Forschungsverbund entstanden ist, ist ein hochsensibles und reaktionsfreudiges System, mit dem erstmals Daten aus verschiedenen Einzelsystemen zusammengeführt, ausgewertet und verarbeitet werden können.

Ein denkbares Szenario im täglichen Münchner Verkehrschaos:
Einem Lastwagen verrutscht die Ladung und das Unglück nimmt seinen Lauf. Mitten im Petueltunnel kommt das Fahrzeug ins Trudeln und kippt um. Viele Eimer Dispersionsfarbe fallen auf die Fahrbahn und bilden auf dem dunklen Straßenbelag einen weißen See. Zum Glück reagieren die anderen Verkehrsteilnehmer rechtzeitig und können ausweichen, niemand wird bei dem Vorfall verletzt. Ein nur beispielhafter Störfall, auf den im nur wenige Kilometer entfernten Polizeipräsidium im Ernstfall sofort reagiert wird.

Hier, in der Verkehrszentrale München, haben die Mitarbeiter der Polizei und der Verkehrsordnung des Kreisverwaltungsreferates mit mehr als hundert Kameras ständig alle neuralgischen Straßenabschnitte Münchens im Visier. Gleich mehrere Kameras sind im neuen, modern ausgestatteten Petueltunnel installiert. Der diensthabende Operator überblickt die Situation, betrachtet die Unglücksstelle mit dem Zoom der am günstigsten positionierten Kamera und reagiert. Das Störfallprogramm beginnt: Sofort sind Funkwagen der Polizei verständigt, die zum Unfallort fahren. Gleichzeitig sperrt der Operator den Tunnel mit Warnhinweisen auf Anzeigetafeln am Tunnelportal. Bereits gestaute Fahrzeuge werden über Textanzeigen an den Ausfahrten des Tunnels abgeleitet. Die Störungsmeldung wird auch sofort an die Landesmeldestelle der Polizei weitergeleitet und ist nur wenig später als aktueller Verkehrshinweis über die Radiostationen zu hören.

Das Störfallmanagement kann in naher Zukunft auf unser Unfallszenario routiniert und weiträumig etwa so reagieren:
Durch die Sperrung des Petueltunnels ist ein Rückstau auf dem mittleren Ring nicht zu verhindern. Aber er lässt sich abschwächen. Während Polizei und Feuerwehr am Unfallort eintreffen, greift der Operator in die Sektorensteuerung ein und unterbindet den Zufluss von Fahrzeugen von der stark befahrenen A 9. Eine Anzeigetafel vor dem Frankfurter Ring zeigt in großen Lettern den Hinweis „Petueltunnel gesperrt“. Die Tafel weist auch darauf hin, dass der Westen Münchens nun besser über den äußeren, den Frankfurter Ring, zu erreichen ist.

Der Eingriff erzeugt eine neue Kettenreaktion im komplexen Netzwerk Verkehr, der weitere Maßnahmen erfordert In einigen Minuten wird der Olympiaknoten westlich des Petueltunnels stark belastet sein. Damit es dort nicht zum Stau kommt, reagiert auch hier ein MOBINET-System. Es gibt aufgrund der vielen Fahrzeuge aus Richtung Frankfurter Ring eine zweite Spur frei für Wagen, die auf den Mittleren Ring einbiegen wollen.

Sollte sich umgekehrt ein Verkehrsunfall im Petueltunnel in West/Ost-Richtung ereignen, können dieses zukünftig die RingInfo-Tafeln an den Übergängen von A 95 und A 96 auf den Mittleren Ring anzeigen. Auch hier werden sich viele Autofahrer aus Richtung Südwest sinnvoller Weise für den östlichen Ring entscheiden.

Das Entscheidende ist: Die Informationen aller dieser Systeme – gleichgültig, ob sie automatisch oder von Hand geschaltet werden, laufen in der zurzeit entstehenden Verkehrszentrale zusammen. Und mehr noch: Die Operatoren erhalten ständig ein vollständiges Bild der gesamten Verkehrslage angezeigt, das Daten aus dem Umland genauso wie aus dem Öffentlichen Verkehr berücksichtigt. Damit perfektioniert die neue MOBINET-Zentrale eine lebenswichtige Aufgabe in der Millionenstadt München: Das umfassende Verkehrsmanagement auf einer Fläche von 311 Quadratkilometern mit 2.300 Kilometern Straßennetz, 800.000 in der Stadt zugelassenen Kraftfahrzeugen und rund 150.000 Pendlern, die täglich in die Stadt ein- und ausfahren.

Kontakt:
Dipl.-Ing. Jost Keller
Kreisverwaltungsreferat
Landeshauptstadt München
Tel.: (089) 233- 27 348
jost.keller@muenchen.de



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