Wohl jede Münchnerin, jeder Münchner kennt das auffällige, zwölfstöckige Haus mit der Backsteinfassade in der Blumenstraße. Manche wissen auch, dass hier das städtische Vermessungsamt untergebracht ist. Unter Verkehrsexperten ist die Behörde sogar zum Symbol geworden für einen neuen Trend im Verkehrsmanagement, der Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit und Mitarbeiterservice zusammenbringt: das betriebliche Mobilitätsmanagement.



Seit 1999 agieren in der Behörde Forscher von MOBINET. Sie analysierten die Wege der 164 Mitarbeiter von und zur Arbeit und ihre dienstliche Strecken. Sie ermittelten Einsparmöglichkeiten, berieten die Mitarbeiter in Verkehrsfragen und führten speziell für Außendienstler Fahrtrainings durch. Das Fazit: Der Spritverbrauch reduzierte sich bis auf drei Liter pro 100 Kilometer, ein Dienstfahrzeug wurde auf Erdgasbetrieb umgestellt, die Emissionen hatten sich um rund 15 Prozent verringert. Neben der Umweltentlastung spart das nun ein paar tausend Euro im Jahr ein.

„Rein mengenmäßig sind diese Erfolge beim Vermessungsamt zwar bescheiden“, resümiert MOBINET-Projektleiter Martin Schreiner. „Als kleiner Betrieb mit weniger als 200 Mitarbeitern, der auch noch sehr gut an Öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrradhauptroutennetz angebunden ist, war das Einsparpotenzial natürlich relativ gering.“ Umso wertvoller sind die Erfahrungswerte aus diesem Pilotprojekt aber nun für einen breiten und systematischen Ausbau der betrieblichen Mobilitätsberatung in München.

Die nächste Stufe ist bereits gezündet: Fünf Unternehmen mit insgesamt rund 10.000 Mitarbeitern, darunter das Krankenhaus Schwabing, die Hypovereinsbank und der Bayerische Rundfunk, steigen nun auf Basis der MOBINET-Pionierarbeit ein. Professionelle Mobilitätsberater helfen den Betrieben, das breite Spektrum der Maßnahmen zu überblicken und entsprechende Planungen in die Tat umzusetzen. Das städtische Referat für Arbeit und Wirtschaft ermutigte durch finanzielle Förderung. Zudem erkor das Bundesverkehrsministerium die Landeshauptstadt zur Modellstadt des Forschungsbereichs Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt). „Damit wird betriebliches Mobilitätsmanagement auch gleich mit der Stadtentwicklungsplanung verzahnt“, so Schreiner.

Die beteiligten Unternehmen schneidern derzeit ihre Aktivitäten auf die eigenen Gegebenheiten zu: Mit jedem Stellplatz in einer Tiefgarage etwa, der nicht gebaut werden muss, sparen sie zum Beispiel rund 15.000 Euro. Der Bedarf an Parkraum verringert sich auch, wenn Verkehrsangebote auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter ausgerichtet werden. Dann nutzen sie Öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad tendenziell häufiger.

Anreize sind zum Beispiel Duschen für Fahrradfahrer und Reparaturmöglichkeiten für ihre Radl, fußgängerfreundliche Wege zu den nächsten Haltestellen und vergünstige Job-Tickets. Fahrgemeinschaften, die sich etwa im firmeninternen Intranet organisieren, vermeiden unnötige Autofahrten und erhöhen die Auslastung der Privatautos. Das Krankenhaus Schwabing hat mit einem Parkraummanagement auf Betriebsgrund in Abstimmung mit der Belegschaft den Stellplatzbedarf derart reduziert, dass Platz für ein neues Gebäude geschaffen werden konnte und kein eigener Grund dafür gekauft oder gemietet werden musste.

Die Beteiligung der Belegschaft bei der Suche nach Lösungen ist überhaupt von zentraler Bedeutung. Nur, wenn jeder einzelne Mitarbeiter seinen Vorteil sieht, etwa pünktlicher, kostengünstiger und stressfreier zur Arbeit zu kommen, kann betriebliches Mobilitätsmanagement zum Erfolg führen.

Kontakt:
Dipl.-Geogr. Martin Schreiner
SSP Consult GmbH
Tel.: (089) 143155 - 23
schreiner@muc.ssp-consult.de



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