Vielmehr setzt er sich aus fast dreißig Straßen, Unter- und Überführungen, Brücken und Tunnels zusammen und legt sich als Kreis mit einem Umfang von 28 Kilometern im Abstand von drei bis fünf Kilometern um den Marienplatz.

Der Pulsschlag des „Rings“ ist wesentlich von Pendlern bestimmt. Mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze der Stadt, aber nur ein Drittel der Wohnungen liegen innerhalb des Kreises. Wie eine große Sortieranlage nutzen die Pendler den Ring, um morgens ihren Arbeitsplatz in der Stadt und abends ihre Wohnungen außerhalb zu erreichen. Der Ring macht sechs Prozent des Hauptstraßennetzes aus und bewältigt doch 14 Prozent des gesamten Stadtverkehrs. Im Westen und Süden befahren ihn schon an Durchschnittstagen mehr als 150.000 Kraftfahrzeuge. Das sind über 100 pro Minute. Die am geringsten befahrenen Abschnitte bringen es immerhin noch auf 30.000 bis 40.000 Kraftfahrzeuge.
 
   
Eine Studie von 2001 prognostizierte bis ins Jahr 2012 an manchen Abschnitten einen Zuwachs um bis zu 60 Prozent. Angesichts dieser zu erwartenden Entwicklung können selbst die 1996 per Bürgerentscheid beschlossenen Milliarden-Projekte Petuel-, Richard-Strauss- und Luise-Kiesselbach-Tunnel die Situation nur zum Teil entspannen.


Intelligente Verkehrsinformation

Um auch in Zukunft die Leistungsfähigkeit des Hauptstraßennetzes zu gewährleisten, gewinnen daher zunehmend intelligente Verkehrsinformationssysteme an Bedeutung, die Verkehrsteilnehmer auf weniger belasteten Wegen durch die Stadt führen. Sie sind mitunter die einzige Möglichkeit, relativ schnell auf die wachsende Herausforderung Verkehr zu reagieren. Das Forschungsprojekt MOBINET hat sich daher in den vergangenen Jahren intensiv der Telematik gewidmet: Systeme, die über Datennetze über die aktuelle Situation auf den Straßen informieren. Damit Verkehrsteilnehmer die Chance haben, zu wissen, was sie tun können.

Rund um München sind an den wichtigsten Einfallstraßen Verkehrsinformationstafeln angebracht. Sie geben bei Verkehrsstörungen eine schnelle Übersicht über die Verkehrssituation und weisen auf Ausweichrouten hin. Vor allem Pendler können sich frühzeitig auf potenzielle Störungen einstellen und auch mit wenig Ortskenntnis eine Alternativroute wählen.
   

Aktuelle Verkehrslage auf dem Mittleren Ring

Die neuen Ring-Info-Tafeln zeigen an den Übergängen von den Autobahnen A95 aus Richtung Garmisch und A96 aus Richtung Lindau die momentane Verkehrssituation rund um den Ring an. Drei Farbvariationen dienen der schnellen Orientierung: Dunkle Abschnitte bedeuten freie Fahrt, rot-schwarz gebänderte Abschnitte stehen für stockenden Verkehr und rote Abschnitte zeigen schließlich an, wo Stau herrscht. Wer also morgens aus dem Süden kommt und über den Mittleren Ring seinen Arbeitsplatz im Norden ansteuert, kann sich sehr schnell entscheiden, welche Route voraussichtlich die schnellere ist – über den Osten oder den Westen.

Dieses System ist völlig neu für München. Für eine ausreichende Datenbasis sorgen etwa 600 Detektoren auf dem Ring, die kontinuierlich das Verkehrsaufkommen erfassen. Diese Rohdaten landen auf einem zentralen Datenbankserver, wo sie eine neu entwickelte Software in sinnvolle Informationen verarbeitet. Doch was nützen Daten, wenn sie nicht leicht verständlich sind? Für das Tafeldesign, also die Gratwanderung zwischen einfacher Darstellung und ausreichendem Informationsgehalt, kooperierten die MOBINET-Ingenieure mit der Arbeitsgruppe des Verkehrspsychologen Prof. Dr. Alf Zimmer an der Universität Regensburg. Eine stilisierte, kreisrunde Abbildung mit den wichtigsten Autobahnabfahrten als Orientierungshilfe ist das Ergebnis von Wahrnehmungstests mit Versuchspersonen in einem Fahrsimulator.


Störungen frühzeitig umfahren
Die Ring-Info-Tafeln allein können zwar keine Staus verhindern. Die immer aktuelle und zuverlässige Information ermöglicht es aber den Verkehrsteilnehmern, sich auf Störungen frühzeitig einzustellen. Was sich beim Einzelnen in kürzeren Fahrtzeiten auswirken wird, verteilt den Verkehr insgesamt besser auf den großen Straßen. Und schließlich hoffen die Verkehrsexperten, dass die vielen Schleichfahrten durch die Innenstadtviertel zurückgehen – auch dann, wenn an bestimmten Stellen des Rings mal wieder nichts mehr geht.

   


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