Bei den Münchnern und den vielen Besuchern der Stadt besteht ein
großer Bedarf an verkehrsmittelübergreifenden Informationen und aktuellen Verkehrsauskünften und -prognosen.


 
MOBINET hat sich in vier Multimedia-Projekten mit einer Reiseplanung befasst, die Verkehrsteilnehmer schneller an ihr Ziel kommen lässt. Die durchweg praxisreifen Ergebnisse beweisen das Gelingen der technischen Umsetzung und die hohe Akzeptanz dieser Dienste bei ihren Benutzern – zeigen aber auch die Fallstricke auf dem Weg, diesen Service in den kommerziellen Regelbetrieb zu überführen.


München ist ein beliebtes Reiseziel – das bedeutet auch viel Verkehr


Mehr als 3,6 Millionen Übernachtungsgäste und rund 57 Millionen Tagesgäste haben München allein im Jahr 2002 besucht. Dementsprechend viel Freizeit- und Reiseverkehr musste das städtische und staatliche Straßennetz verkraften: unzählige Flugreisen, Auto- und Taxifahrten, Anreisen mit Bus und Bahnen. Nur zu erahnen ist allerdings, wie viele Wege aus mangelnder Ortskenntnis unnötigerweise zurückgelegt werden und wie oft weniger effiziente Verkehrsmittel gewählt werden – was Zeit, Kosten und Umweltverträglichkeit betrifft.


 
Präzise Informationen sind gefragt

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) erhält sogar elektronische Fan-Post aus anderen Regionen Deutschlands: „Eure Fahrplanauskunft ist toll!“, „Schade, dass es so was bei uns nicht gibt!“, „Die Planung meiner beruflichen Reisen nach München geht jetzt viel einfacher!“. Grund für diese Emails aus der ganzen Republik ist die neue Fahrplanauskunft des MVV, kurz EFA 9 genannt. Im November 2002 ging der von MOBINET entwickelte Dienst in den Testbetrieb (Link ins Archiv ÖV-Info: wir berichteten), seit Juni 2003 ist er die Regelauskunft auf den Webseiten des MVV (www.mvv-muenchen.de). Erstmals ist es nun möglich, von Tür zu Tür und verkehrsmittelübergreifend eine Route berechnen zu lassen, einen Umgebungsplan zum Anschauen und Ausdrucken inklusive. Auskünfte über die Länge von Fußwegen sind genauso integriert wie Angaben über Niederflurbusse und Aufzüge und Rolltreppen in Bahnhöfen. Für mobilitätseingeschränkte Personen ist das meist die Vorraussetzung, überhaupt Öffentliche Verkehrsmittel benutzen zu können. Zu dieser Klientel zählen nicht nur Rollstuhlfahrer und alte Menschen, sondern auch mit Gepäck beladene Touristen und Geschäftsleute. Über den Zuspruch freut man sich: Bis zu 120.000 Reiseauskünfte von rund 30.000 Einzelpersonen (20.000 im Schnitt) werden täglich über die Homepage getätigt. Überwiegend kommen die Anfragen aus München und dem Umland, aber auch aus der ganzen Republik.


Multimedia ist möglich

Das neue Auskunftssystem EFA 9 zeigt Verkehrsteilnehmern ganz praktisch, was moderne Reiseplanung mit Multimedia-Diensten leisten kann. Doch das Ende der Entwicklung ist damit noch nicht erreicht, der Bedarf geht weit darüber hinaus.So wurde von MOBINET mit PARK-Info ein Dienst entwickelt, der gezielt freie Parkplätze in Parkhäusern, auf Park+Ride-Plätzen und im Straßenraum der Innenstadt und sogar ein gut funktionierendes Modell zur Prognose der Parkplatzkapazitäten Stunden und Tage im voraus gibt, den Preisvergleich inklusive (LINK ins Archiv Park-Info wir berichteten).
 
Mehr als 50 Prozent einer Gruppe von Test-Usern fanden den Dienst nützlich und würden ihn auch im Regelbetrieb übernehmen. Bezahlen würde man dafür aber nur ungern oder gar nicht. Würde die Stadt den Dienst flächendeckend anbieten, könnten aus verkehrswirtschaftlicher Sicht, etwa weil Park+Ride-Plätze stärker genutzt würden, rund 1,2 Millionen Euro im Jahr eingespart werden.
Führer durch den Großstadtdschungel und übers Land

Ähnlich sind die Verhältnisse bei URBAN-Info (www.urban-info.de), ein Internet-Portal, das ein Branchenbuch und einen aktuellen Veranstaltungskalender von München mit den Fahrplanauskünften von EFA 9 und den Parkplatzdaten von PARK-Info verknüpft. Dieser One-Stop-Infoshop für die genaue Planung von Geschäftsreisen und Freizeitaktivitäten innerhalb der Stadt würde ebenfalls die Hälfte einer Testgruppe gerne regelmäßig benutzen, allerdings weitgehend kostenlos.
Auch FUN-Info (http://www.pta-service.com/fun/FunHomeGuestPresentationo) stieß auf großes Nutzerinteresse. Hier wurden beispielhaft von drei Naherholungsregionen im Münchener Umland (Tölzer Land, Garmisch Partenkirchen und Chiemsee/Chiemgau) Daten über Wetter, Unterkünfte, Tourismus, Veranstaltungen und mehr mit Verkehrsinformationen (Routenplaner, Verkehrszustand, Fahrpläne) verknüpft. Die technische Machbarkeit von FUN-Info ist bewiesen, dass der Dienst noch nicht als kommerzielles System betrieben wird, liegt daran, dass die Inhalte bisher nicht lückenlos, aktuell und standardisiert geliefert werden konnten.


Dienste können übernommen werden


Für den Betreiber MVV dagegen ist klar, dass EFA 9 die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver macht und damit eine Investition in die Zukunft darstellt, von der alle, Anbieter wie Nutzer, profitieren. In der nächsten Entwicklungsstufe wird die Zukunft eines modernen, individuellen Mobilitätsmanagements deutlich: EFA 10 soll mehr Echtzeitdaten enthalten, damit auch Störungen von Rolltreppen oder Änderungen im Fahrplan von U- und S-Bahn sofort an die Fahrgäste weitergeleitet werden können. Diese werden dann noch gezielter über unerwartete Veränderungen ihrer Reise über mobile Endgeräte informiert. Wann die ersten Wies´ngäste per Handy über überlastete U-Bahnen informiert werden können, steht heute allerdings noch nicht fest.

 
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