Wer in München zuhause ist, kennt diese Namen vom Mittleren Ring. Wer dahinter steckt, ist allerdings nur den wenigsten bekannt. Für alle nicht Heimatkundefesten hier also eine Chance, mehr darüber zu „erfahren“ – im buchstäblichen Sinn.

Für alle Herzensbayern seien zuerst die beiden Freiheitskämpfer Urban Heckenstaller (gest. 1748) und Max von Schenkendorf (1783 bis 1817) genannt. Ersterer ist in Mittersendling verewigt und wehrte sich in kurfürstlichen Diensten gegen die Österreicher. Der zweite stand gegen den Franzos’ Napoleon auf, steht heute auf einem Straßenschild in Schwabing. Er gebrauchte gegen den Feldherrn die Kraft der Worte, dichtete heimatverbundene Lieder und verstarb dennoch im besten Mannesalter von 34. Dass beide Straßennamen am Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert eingerichtet wurden, spricht für die patriotische Gesinnung zu dieser Zeit

     

Nun zu den Künstlern und Meistern: Am Effnerplatz in Bogenhausen haben sich die Stadtväter im Jahr 1931 sehr effizient gezeigt. Hier steht ein Name gleich für zwei Personen: Joseph Effner (1687-1745) und Carl Joseph von Effner (1661 bis 1884), beide auch noch in einer ähnlichen Funktion: Sie gestalteten Gärten und Bauwerke und wirkten unter anderem an der Residenz.

Joseph Effner (1687-1745)

     

Ebenda gestaltete auch Pieter de Witte (um 1586-1628). Was, den kennen Sie nicht? Es gehörte damals wohl zum guten Ton, sich exotische Künstlernamen zuzulegen. Der Maler und Bildhauer nannte sich nämlich Pietro Candid, und das klingt (vor allem für die Giesinger) schon viel vertrauter.

 

Ausschnitt eines Gemäldes
von Pietro Candid

     

Recht bescheiden zeigten sich die Stadtväter bei der Belegung der Straßennamen aus ihren eigenen Reihen. Gerade mal zwei Vertreter sind zu finden, darunter auch eine „Stadtmutter“, nämlich Luise Kiesselbach (1863-1929), Stadträtin von 1919 bis 1927 und äußerst engagiert in der Frauenbewegung und Armenpflege. Stadtvater am Ring ist Georg Brauchle (1915-1968), von 1960 bis 1968 zweiter Bürgermeister der Landeshauptstadt und glühender Verfechter der Olympiabewerbung, deren Erfolg er selber gar nicht mehr miterleben durfte.

Dass Ludwig Petuel (1870-1951) und seine Ehefrau Karoline (1873-1956) den Armen eine Million Mark gestiftet haben, hat sie gerade in den letzten Jahren in aller Munde gebracht. Der jüngste und modernste Tunnel ist nach ihnen benannt. Weniger Trubel gab es in letzter Zeit um einen anderen Wohltäter und Stifter, Johann Baptist Trappentreu (1805-1883). Vielleicht liegt es daran, dass er anno dazumal der Brauer „Zum Sternecker“ im Tal war. Und wenn Gerstensaft fließt, ist die Beschaulichkeit schließlich nicht weit.

Buchtipp: „Die Münchner Straßennamen“ von Hans Dollinger, Südwest Verlag.

 
 

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